Neues Projekt: Die Lee(h)re der Flüsse

1. Mai 2009

Am 20.05.2009 startet Heinz Ratz seine Schwimmtour in Lindau am Bodensee und wird sie am 17.08 in Kiel beenden. In insgesamt 52 Städten wird er gemeinsam mit bekannten Künstlern Konzerte zugunsten von regionalen Artenschutzprojekten geben. Alle Infos zum neuen Projekt von Heinz Ratz finden sich unter

www.flussprojekt.de

FAZIT - Der Lauf gegen die Kälte 2008

19. März 2008

Liebe Freunde,

es sind nun genau zwei Wochen vergangen seit dem Abschlußkonzert in München - Zeit genug, ein Fazit zu ziehen. Zunächst einmal fühle ich mich sehr gut damit, daß ich es überhaupt getan habe. So oft träumt man diese Dinge nur vor sich hin und findet nicht die den Punkt, den Traum auch in eine Tat umzusetzen. Ich habe mir selbst damit Mut gemacht, mich auch künftig verstärkt einzumischen, wenn ich etwas nicht gut und nicht richtig finde - und ich habe von Seiten anderer Künstler eine tolle Solidarität erfahren.

Da die Erlebnisse des Laufes so vielschichtig waren, werde ich das übrige Fazit in vier Punkte aufteilen:

1) Was konnten wir konkret bewirken?

Ich sehe das so: wir konnten im Grunde in jeder durchlaufenen Stadt nur das Angebot machen: wir sind da! Kommt aufs Konzert! Unterstützt uns! Lauft mit! Gebt etwas ab für die, die nichts haben!

Wir waren von Anfang an auf Hilfe angewiesen. Ich bin ja nun alles andere als ein berühmter Künstler, bei dem sofort die Medien Schlange stehen - also brauchten wir, sollte der Abend klappen, das Engagement der Clubs und Einrichtungen, die Unterstützung der Städte (um zumindest die Unkosten zu tragen), die Aufmerksamkeit der lokalen und überragionalen Zeitungen, Radio- und TV Redaktionen. In den Städten, wo das alles gut zusammenwirkte, war der Lauf ein voller Erfolg, wo das nicht der Fall war, konnten wir leider nur wenig ausrichten - denn wenn die Zeitungen nichts schrieben, die Clubs keine Werbung machten und die Bürgermeister gar nicht oder ablehnend auf das Projekt reagierten - wie sollte da jemand erfahren, daß wir da waren?

Auf unserer homepage ist unter der Rubrik “Tagebuch” jeder Abend aufgelistet. Leider weniger erfolgreich in Hamburg, Essen, Mülheim, Düsseldorf und Worms. Letztendlich kann man sagen, daß der Lauf erfolgreich war in Bochum, Wuppertal, Köln, Bonn, Koblenz, Ingelheim, Wiesbaden, Mainz, Frankfurt, Lorsch, Heidelberg, Karlsruhe, Stuttgart, Tübingen, Reutlingen und München. Und in den anderen Städten wurden Spendenergebnisse von 200-600 Euro erzielt.
Eine genaue Kosten & Spendenauflistung findet ihr als letzten Punkt meines Fazits.

Ziel war ja, die gesammelten Abendeinnahmen ohne Abzug 1:1 weitergeben zu können, da aber nur 5 der angeschriebenen 29 Städte bereit waren, unsere Unkosten zu tragen und damit eine komplette Spendenweitergabe zu garantieren, war gleich klar: wir mußten versuchen die Unkosten noch weiter zu senken und überregional übers Spendenkonto genug zu erhalten, um die regionalen Spenden abzusichern. Wir taten unser Möglichstes und sparten nicht selten 350 € von den ursprünglich kalkulierten 850.- Euro pro Konzert ein. Vom “überregionalen” Spendenkonto konnten davon meistensteils 200 bis 300 Euro gedeckt werden, so daß unterm Strich von den 20.366,73 € Abendeinnahmen insgesamt 18.116,22 € übrig bleiben. Der Durchschnitt liegt also 80,38 € pro Konzert unter dem selbstgesteckten Ziel - wir schafften es nicht ganz. Aber immerhin. Fast geschafft.

2) Was haben wir ideell bewirkt?

Das ist für mich der wichtigste Punkt. Das reine Geldsammeln für wohnungslose Menschen vor Ort war die eine Ausrichtung - entscheidender noch fand ich das allgemeine Stillschweigen über so ein unpopuläres Thema zu durchbrechen, einen deutlich spürbaren Protest gegen die soziale Verhärtung zu schaffen, und, soweit es in meinen Kräften steht, das Bewußtsein der Öffentlichkeit auf den allmählichen Abbau des sozialen Netzes zu richten. Das ist mir meines Erachtens ganz gut gelückt. Mir ist schon klar, daß die 18.000.- Euro, die wir gesammelt haben, zwar ganz ordentlich sind, aber doch von jedem Unternehmen leicht in den Schatten gestellt werden können, daß ein lächelnder Günther jauch bei RTL das Hundertfache in einer halben Stunde sammeln könnte - aber hier hat doch eine Gruppe von engagierten Menschen trotz ungewisser Erfolgsaussichten, trotz körperlicher und organisatorischer Strapazen und trotz einer denkbar schlechten Ausgangsposition ein deutliches Zeichen gesetzt und gezeigt, daß man Politik nicht nur passiv über sich ergehen lassen muß, sondern sich durchaus auch selbst einmischen kann. Rund zwei Millionen Zuschauer haben über die Medien von dem Lauf erfahren und konnten nachdenken über meine Beweggründe und Absichten.

Zum anderen war es ja der Versuch, Obdachlosigkeit nicht nur als statistisches oder gesellschaftspolitisches Problem zu betrachten, sondern den Menschen im Menschen zu sehen - und klar zu machen, wie schnell wir uns selbst (oder Freunde von uns, unsere Eltern oder Kinder) in einer solchen Situation befinden können, wie überhaupt das ganze Leben unsicher und gefährdet ist und wie ungerechtfertigt daher jede moralische Selbstüberhebung gegenüber Menschen, die größere Not leiden als wir.

Ich glaube, das ist ein Punkt, den wir in der schönen Athmosphäre der Konzerte, sehr gut ansprechen konnten. Wir hatten ja ein sehr aufgeschlossenes, tolles Publikum überall.

3) Was geschieht mit den Spenden?

Es gab großartige Ausnahmen, aber insgesamt waren wir doch etwas enttäuscht, daß die Einrichtungen so selten da waren und auch so wenige Betroffene über davon erfuhren. Ich habe daher beschlossen, das Geld in den betreffenden Städten nicht einfach den Einrichtungen zu geben, sondern die ganze Tour nocheinmal abzufahren und dann GEMEINSAM mit den Wohnungslosen und den Einrichtungen zu entscheiden, was mit dem Geld geschehen soll. Termin dafür ist der 28.04 für Ruhrgebiet/Rheinland, 29.04 für Rheinland/Pfalz, 30.04 für Baden/Schwaben, der 02.05 für München.

4) Danksagung

Ich möchte an dieser Stelle vorallem denjenigen danken, ohne die dieses ganze Projekt nicht möglich gewesen wäre: das sind in erster Linie Conny & Sascha vom Orgateam (Atelier mobil) aus Koblenz. Dann Enno und Dominik (Hamburg), die mich am Klavier begleiteten; Ali, unserem Allrounder & Tontechniker (Jena), Torsten und Rainer, die fast die komplette Strecke mitliefen (Hamburg / Wuppertal), überhaupt allen, die mitgelaufen sind. Ich danke auch Anja aus Berlin für die vielen Infos, Dr. Gerhart Trabert und Frau Bill von Armut & Gesundheit, auch unseren “Schlafplätzen” einen großen Dank. Dank auch an alle, die Plakate aufhingen und Flyer verteilten. Außerdem allen Clubs, die mir das Vertrauen entgegenbrachten und sich teilweise unglaublich in die Sache reingekniet haben. Jedem, der kam, möchte ich danken, und jedem, der die Stiefel gefüllt hat. Aber auch überregional: Danke für die Spenden, vorallem an die Rosa-Luxemburg-Stiftung, an Armut & Gesundheit e.V. (auch fürs “Tourauto”) und an e.m.-works für die “großen” Spenden! Und ich danke allen Künstlern, die uns unterstützten: Der Fall Böse (Hamburg), Götz Widmann (Bochum, Mülheim, Leverkusen, Köln, Bonn, München), Hans Eckardt Wenzel (Essen), Bernd Gieseking & Stefan Reusch (Mülheim), Gerburg Jahnke & Arnulf Rating (Oberhausen), Anne Haigis & Jochen Malmsheimer (Wuppertal), Julia Zanke & Talip Elmasulu & Frank Baier (Düsseldorf), Anka Zink (Koblenz), Kenny Legendre (Bingen & Worms), Stark-Holland & Lange (Ingelheim), Bodo Wartke (Wiesbaden), Luca & Meike Köster & K.W. Timm (Mainz), Luca & K.W. Timm & Sven Panne (Frankfurt), Martin Sommer & Luise Enzian (Darmstadt), Jess Jochimsen (Heidelberg), Christina Lux & Tina Häussermann (Karlsruhe), Die Improkokken (Pforzheim), Roland Baisch & Freunde (Stuttgart), Wortfront & Bernd Chudalla (Tübingen), Thomas Fender & Barbara Thalheim & Jean Pacalet ( Reutlingen), Stoppok & Götz Widmann & Bernd Chudalla (München).

5) Die allerschönsten Erlebnisse

Es gab so viele wunderbare Erlebnisse und so manches, was einen auch sehr nachdenklich stimmte. Ich werde aber öfters nach den drei schönsten Momenten der Tour gefragt und konnte diese Frage immer recht schnell beantworten. Als ich in Wiesbaden mit den Stiefeln herumging, fragte ich auch eine Dame, die bei der dortigen Obdachlosenhilfe beschäftigt ist und wurde empört zurechtgewiesen: sie arbeite ja schon jeden Tag für diese Menschen, - ein paar Sekunden später kam ein Obdachloser und schüttete sein letztes Geld in die Stiefel, für die “Kollegen, die es dringender brauchen, als ich…” - Außerdem hat es mich tief bewegt, als mein Sohn extra aus Kiel kam, um mich auf der Bühne zu unterstützen. Und ein ganz romantisches Erlebnis hatte ich beim Pinkeln im Morgengrauen zwischen Wuppertal und Düsseldorf - so erschöpft, daß ich beim Gehen immer wieder in Sekundenschlaf fiel und schon vom Fieber einer beginnenden Bronchitis geschüttelt, bemerkte ich plötzlich, wie einen knappen Meter über mir eine Amsel so wunderschön sang, ganz einsam, als singe sie für mich. Und so habe auch ich mein kleines, heimliches Konzert bekommen.

Es grüßt euch herzlich,
euer Heinz

6) Spendentabelle

Station Spende
Kiel 315,03 €
Hamburg 99,76 €
Dortmund 276,88 €
Bochum 901,01 €
Essen 0,00 €
Mülheim 0,00 €
Oberhausen 380,46 €
Wuppertal 868,81 €
Düsseldorf 0,00 €
Leverkusen 413,68 €
Köln 692,68 €
Bonn 875,51 €
Koblenz 709,68 €
Bingen 250,00 €
Ingelheim 741,95 €
Wiesbaden 446,40 €
Mainz 646,68 €
Frankfurt 1.042,49 €
Darmstadt 298,33 €
Worms 0,00 €
Lorsch 1.047,06 €
Heidelberg 920,10 €
Karlsruhe 1.821,81 €
Pforzheim 389,90 €
Stuttgart 643,66 €
Tübingen 1.049,12 €
Reutlingen 1.524,35 €
München 1.760,87 €
Summe: 18.116,22 €

In wenige Städten gab es noch kleine Unklarheiten, ich wollte aber mit dem Fazit nicht mehr warten. Wenn ich mich nicht irgendwo verrechnet habe und keine Rechungen mehr nachkommen, sollten alle Summen stimmen. Die Angaben sind also vorläufig ohne Gewähr. Ein Teil dieser Gelder ist nicht auf Spendenkonto, sondern direkt an verschieden Einrichtung gezahlt worden.

Noch ein Text für all jene, die nicht kamen, weil sie in dem Lauf eine überflüssige Aktion oder eine Spinnerei sahen:

Mit Groß-Gebärde (12./13.01.2008)

Noch läufst Du rum, mein Freund,
mit Groß-Gebärde,
mit schickem Auto – schöner Frau!
Du bist der geilste Typ
auf dieser Erde,
smart, erfolgreich, glatt und schlau!

Doch weißt Du nie, mein Freund,
wanns Leben zuschlägt,
wie tief es trifft und wen und wann,
und ob der Grundbau, der
dein Sein trägt,
nicht einfach so zerfallen kann:

Vielleicht zerfrisst ein Krebs Dir Dein Gesicht.
Und Deine Frau findet bei andern Männern Glück.
Oder Du kannst nicht lieben. Kannst es einfach nicht.
Oder Dein Kind kommt nicht zu Dir zurück.

Noch glaubst Du, Freund,
Du könntest alles tragen –
mit Selbstbewusstsein oder Geldkorsett.
Du stellst Dir nie
die wesentlichen Fragen.
Du legst Dich sorgenlos ins Bett.

Dann aber trifft Dich plötzlich
eine Diagnose.
Oder Dein Bruder schläft mit Deiner Frau.
Ein Überholmanöver geht
prompt in die Hose –
und plötzlich ist Dein Leben grau.

Vielleicht muß man Dir etwas amputieren.
Oder Dein bester Freund treibt Dich in den Ruin.
Dann plötzlich fängst Du Innen an zu frieren
und lernst zu „Existieren“, ohne Sinn.

Das Leben ist nicht sicher, Freund,
und niemand bettelt gerne –
verkneift Dir also Deine Arroganz!
Mal ist die Zeit ein Stein,
mal ist sie voller Sterne,
mal starrer Tod, mal Flammentanz.

Der Penner, der dort säuft,
das könntest Du sein.
Und wenn nicht Du – vielleicht Dein Kind.
Die Tür zum Glück –
sie könnte zu sein.
Das geht mitunter sehr geschwind.

Dann bettelst du. Und feine Leute ziehn vorüber.
So fein und kalt, wie jetzt Dein Lächeln ist.
Und stirbst Du, schreibt kein Mensch darüber,
weil Du nicht Mitglied ihrer Mitte bist.

Noch läufst Du stolz, mein Freund,
mit Groß-Gebärde,
mit schickem Auto, schöner Braut
und glaubst,
die ganze große Erde
sei um Dein kleines Sein gebaut.

München - 22.02.2008 - Freiheizhalle

26. Februar 2008

Liebe Freunde,

vor München hatte ich ehrlich gesagt etwas Angst. Es war der einzige Veranstaltungsort, der Saalmiete verlangte - 800.- Euro. Ich war darauf eingegangen, weil die Freiheizhalle im Gegenzug unglaublich viel für das Projekt machen wollte. Die Kommunikation gestaltete sich dann aber als sehr schwierig. Die verantwortliche PR-Dame kündigte. Keiner wußte etwas. Alles lag brach. Wir bekamen keinerlei konkrete Informationen - ein letzter gemeinsamer Kraftakt mit der neuen PR-Dame schien zu kurzfristig.

Die Obdachlosenzeitung BISS bestand für ihre Berichterstattung auf drei Monate Vorlaufzeit und war daher nicht in der Lage, eine Vorankündigung zu schreiben. Ein allen Münchner Tageszeitungen (übrigens auch der TAZ, der Jungen Welt, der Zeit, der Süddeutschen usw.) vorliegender Artikel eines Münchner Journalisten blieb unbeachtet. Der Bürgermeister hatte abgesagt (es wird z.Zt. in München vehement gegen Obdachlose vorgegangen).

So viele Schwierigkeiten - und doch! Als wir ankamen gleich die frohe Nachricht: die Freiheizhalle verzichtet auf die Saalmiete! Und ein tolles Freiheiz-Team, das die sämtlichen Trinkgelder spendet. Die Münchner Abendzeitung hatte einen Artikel gebracht, Stoppok und Götz Widmann und Bernd Chudalla als tolle Kollegen auf der Bühne und ca. 250 Zuschauer, die für den absoluten Spendenrekord sorgen: 2.083,30 Euro in den Stiefeln! Ach, war ich glücklich an diesem 22. Februar in München!

Habt vielen Dank, liebe Kabarettisten und Musiker für eure Hilfe! Dank auch an alle engagierten Einrichtungen, an die Journalisten und Reporter, die dieses Projekt wichtig genug fanden, um darüber zu berichten, an die Politiker, die uns ernst nahmen und Verantwortungsgefühl zeigten, an die Veranstalter, die uns vertrauten und ein riesiges Engagement zeigten, an die Wohnungslosen, die trotz ihrer Lebensumstände unsere Konzerte besuchten - Dank auch an mein wunderbares Team: Conny & Sascha (Organisation), Ali (Technik), Enno & Dominik (Klavier), Torsten (Lauf & Logistik) - den größten Dank aber an euch - unser tolles Publikum! Eure Unterstützung und euer Da-sein hat das ganze Projekt getragen.

Im Laufe dieser Woche schreibe ich einen Abschlußbericht, versuche eine Spenden & Unkosten-Übersicht aufzustellen und ich erzähle, was mit den Geldern wann und wie geschehen soll und welches persönliches Fazit ich aus allem ziehe.

Das Spendenkonto bleibt noch bis Anfang April offen.

Es grüßt euch, wieder aus Kiel,
euer Heinz

Reutlingen - 21.02.2008 - Cafe Nepomuk

26. Februar 2008

Liebe Freunde,

der Weg nach Reutlingen war ja nicht weit. Ein langes Frühstück mit Wortfront, dann noch Kaffeetrinken mit dem Sudhausteam. Es warteten neun Personen, die mitlaufen wollten, ein Kind darunter; das Wetter war angenehm frisch, halbsonnig mit einem unternehmungslustigen Wind. Drei Stunden benötigten wir, kamen etwas zu früh an und wurden herzlich empfangen.

Ich hatte die Gelgenheit, die letzten Tagebuchberichte ins Internet zu tippen, dann war schon Soundcheck-Zeit. Ums vorweg zu nehmen: das Tübinger Ergebnis wurde sogar nochmal knapp übertroffen - ca. 160 Zuschauer spendeten 1.283.- Euro. Es waren aus Berlin Barbara Thalheim und ihr Akkordeonist Jean gekommen und auch der Liedermacher Thomas Felder lieh uns seine Stimme. Die Arbeiterwohlfahrt war zahlreich vertreten, auch viele Betroffene kamen - es gab eine leckere Suppenküche draußen, die Stadt hatte schon fühzeitig ihre Unterstützung zugesagt.

Ein rundum gelungener vorletzter Tourabend!

Tübingen - 20.02.2008 - Sudhaus

21. Februar 2008

Liebe Freunde,

auch heute würden wir eine weite Strecke bewältigen müssen. Über 40 Kilometer zum Sudhaus in Tübingen. Treffen diesmal nicht vorm Café Merlin, sondern in der Tagesstätte in der Olgastraße 46 - gemeinsames Frühstück mit Wohnungslosen. Ich erkläre ihnen ein wenig das Projekt und wie es gestern war, spreche mit den Mitarbeitern, wir bekommen ein schönes Frühstück und brechen dann um 7 Uhr 30 auf. Mein Magen ist etwas erholt, fühle mich weitaus besser als gestern, aber nach wenigen Kilometern setzt das fast vergessene Gefühl wieder ein: im Regen zu laufen.

Es ist ein hartnäckiger Regen ohne Pause, der uns den langen Weg begleitet. Unterwegs stellen wir fest, daß das Sudhaus leider am anderen Stadtende liegt - also weitere 7 Kilometer mehr und müssen das Tempo anziehen. Vanessa, die uns diesmal begleitete, steigt nach 20 Kilometern aus - vielen Dank fürs Durchhalten und durch die Stadt führen! Als wir endlich Tübingen erreichen, müssen wir das allerletzte Stückchen auf den Fußweg verzichten - die Schnellstraße gibt Fußgängern keine Chance und die einzig mögliche Alternative beträgt zusätzliche 2 Stunden Umweg. Michael vom Sudhaus holt uns ab. Aber wir haben kein schlechtes Gefühl dabei - der lange Weg aus Stuttgart nach Tübingen ist bewältigt.

Auch das Sudhaus hat sich phantastisch reingekniet. Ein bißchen enttäuscht, daß auch hier die Unterstützung des Bürgermeisters ausblieb (Absage 12.2.08 auf unser Anschreiben vom 3.12.2008) - aber dafür Titel im Programmheft, ein ausführlicher Zeitungsbericht - Wortfront aus Berlin zu Gast und Bernd Chudalla aus Deizisau mit über 100 Zuschauer, die 1.127, 44 spenden! Wow! Toller Abend!

Stuttgart - 19.02.2008 - Kulturzentrum Merlin

21. Februar 2008

Liebe Freunde,

eine Strecke von über 50 Kilometern! Start um 7 Uhr 30 bei -7 Grad. Müde und erneut mit Magenproblemen, die mir als ständiges Schwächegefühl in den Gliedern sitzen. Und schön immer bergauf und schön immer im Kreis, denn die Wegweiser um Pforzheim herum scheinen absichtlich so kontrusiert, daß man diese Stadt nie wieder verlassen kann. Wir schaffen es trotzdem, durch wunderschöne Waldwege, aber wir laufen einen Umweg von 8 Kilometern und verlieren zwei Stunden. Da ist denn allen klar: wir werden es nicht rechtzeitig schaffen.

Trotzdem geht es unermüdlich über Schwarzwaldgipfel und Feldwege und manchmal wieder ohne Wege über Kartoffelacker, bis wir nach 11 Stunden Leonberg erreichen und dann, zum ersten Mal in dieser Tour, aus Zeitgründen doch Nahverkehrsmittel benutzen müssen. In Stuttgart hat Roland Baisch, unser Gast für diesen Abend, die Shellack Brothers mit eingeladen und den Komiker Otto Kuhnle - es wird ein bunter schöner Abend, ich kann trotz meiner Magengeschichte und der Müdigkeit noch die letzten Energien mobilisieren, 90 Zuschauer füllen das Café Merlin und wir sammeln 749, 56 Euro. Ein schönes Ergebnis auch hier, wenngleich die Stadt & der Bürgermeister uns trotz einer gerade hier sehr hohen Zahl an wohnungslosen Menschen nicht unterstützten.

Pforzheim - 18.02.2008 - Kupferdächle

21. Februar 2008

die knappen 30 Kilometer nach Pforzheim hatte ich vor mehr als zehn Jahren schon ein paar Mal auf Schusters Rappen zurückgelegt. Wir wurden begleitet von fünf weiteren Mitlaufenden, es war zunächst recht kalt, aber dann zeigte die Sonne ihr freundliches Gesicht und die permantente leichte Steigung sorgte zudem für angenehme Körperwärme.

Für mich war es ein Gang durch viele schöne Erinnerungen. Ich war aber skeptisch was die Zuschauerzahlen anging. Die Stadt hatte gar nicht erst geantwortet, die Zeitungen hatten es angekündigt, aber nur klein. Das Kupferdächle-Team hatte viel versucht, aber war auch auf viele taube Ohren gestoßen. Eine der reichsten Städte Deutschlands, bekannt für das eisenharte Vorgehen gegen Harz-4 Empfänger. Angeblich ohne Obdachlose. Die Improkokken hatten ihre Unterstützung zugesagt, eine Imrovisationstheatergruppe aus Hannover. Die Stadtwerke Pforzheim hatten einen Unkostenzuschuß zugesagt. Es kamen etwa 50 Zuschauer und wir konnten 400, 22 Euro sammeln.

Stuttgart wir kommen!

Karlsruhe - 17.02.2008 - JUBEZ

21. Februar 2008

Liebe Freunde,

um 10 Uhr erreichte ich den Bruchsaler Bahnhof und traf dort Rainer und Torsten. Außerdem waren Lisa und Rebecca gekommen, um mit uns mitzulaufen. Bahnschienenkombination und Zufall führten dazu, daß wir uns verloren, so daß ich in Damenbegleitung laufen durfte und Torsten und Rainer unabhängig von uns (und mit der Landkarte) liefen.  Es war eine Etappe mit vielen Umwegen und Schleifen, Bachüberquerungen und Sprüngen, aber die 28 Kilometer waren dann auch geschafft und wir kamen rechtzeitig in Karlsruhe an.

Die Stadt fühlte sich gut an. Der Veranstalter, Manne Goos, hatte sich mit einem Rieseneifer in das Projekt hineingekniet. Wir waren auf dem Titelblatt des Programmhefts, die Einrichtung “Erfrierungsschutz” kam, viele Betroffene erschienen, der Bürgermeister Denecken hatte die Schirmherrschaft über das Projekt übernommen und hielt eine schöne knappe Rede. Es kamen mehr als 200 Zuschauer, um uns zu unterstützen. Christina Lux war aus Kassel, Tina Häusermann aus Stuttgart angereist, um für uns zu singen und zu musizieren - ein rundum gelungener Abend brachte die Rekordspendensumme von 1.530,46. Toll! So kann es laufen, wenn alle zusammenhalten. Ein Riesendank!

Heidelberg - 16.02.2008 - DAI

21. Februar 2008

Liebe Freunde,

nach Heidelberg sind wir schon am Vortag gelaufen, am Freitag, den 15.02, weil spielfrei und schönes Wetter. Bis Weinheim liefen wir zu fünft - neben Torsten und Rainer als Langzeitbegleiter gesellte sich nun auch Johannes und jemand dessen mir gerade nicht einfallen will (Sorry!) dazu. Ich “brach” dann aus, beschleunigte, um in Weinheim die vielen ausstehenden Berichte einzutippen und einiges Organisatorisches zu erledigen - und das dauerte so lange, daß die anderen mich längst überholt hatten, als ich den zweiten Teil der Strecke in Angriff nahm. Ich erreichte gegen 19 Uhr Heidelberg, nach fast 40 Kilometern und merkte schon, daß sich da wieder Schwierigkeiten anbahnten.

In der Nacht nahm dann auch eine Magen-Darm-Infektion ihren Lauf, so daß ich sehr geschwächt zum Deutsch-Amerikanischen Institut lief. Vorgestern hatte uns eine schöne Nachricht erreicht - der Bürgermeister Dr. Eckart Würzner wird die Veranstaltung unterstützen. Vielen Dank! Trotzdem blieb die Veranstaltung ein Sorgenkind: kaum Werbung, eine ungünstige Spielzeit - 14 Uhr, weil die anderen Veranstaltungsorte entweder zu viel Miete verlangt oder den Termin schon belegt hatten.

Und es sah zu Beginn tatsächlich danach aus, als ob wir nur sechs Zuschauer hätten - plötzlich füllte sich aber der Saal. Immerhin 50 kamen zusammen. Wenig Stammpublikum. Die meisten kannten uns gar nicht. Der Freiburger Kabarettist Jess Jochimsen begleitete uns wunderbar, auch ich kippte nicht um, und die Zuschauer spendeten 452,42 Euro.

Aufgrund meiner Erkrankung werde ich aber nur einen Teil der Strecke Heidelberg-Karlsruhe laufen können, nämlich den morgigen, zweiten, ab Bruchsal. Treffen morgen 10 Uhr am Bahnhof Bruchsal. Und gehe jetzt ins Bett, in der Hoffnung, mich ein bißchen auskurieren zu können. Gute Nacht!

ZDF-Nachtstudio
“Wir da oben, ihr da unten - Der Verlust der Mitte”

16. Februar 2008

Das ZDF-Nachtstudio wird am Montag, dem 18.02. noch einmal auf Phönix wiederholt. Hier der Sendetermin!

Wer die Sendung online anschauen will, kann das hier tun:

www.zdf.de

ZDF Nachtstudio