Monatsarchiv für Februar 2008

München - 22.02.2008 - Freiheizhalle

Dienstag, den 26. Februar 2008

Liebe Freunde,

vor München hatte ich ehrlich gesagt etwas Angst. Es war der einzige Veranstaltungsort, der Saalmiete verlangte - 800.- Euro. Ich war darauf eingegangen, weil die Freiheizhalle im Gegenzug unglaublich viel für das Projekt machen wollte. Die Kommunikation gestaltete sich dann aber als sehr schwierig. Die verantwortliche PR-Dame kündigte. Keiner wußte etwas. Alles lag brach. Wir bekamen keinerlei konkrete Informationen - ein letzter gemeinsamer Kraftakt mit der neuen PR-Dame schien zu kurzfristig.

Die Obdachlosenzeitung BISS bestand für ihre Berichterstattung auf drei Monate Vorlaufzeit und war daher nicht in der Lage, eine Vorankündigung zu schreiben. Ein allen Münchner Tageszeitungen (übrigens auch der TAZ, der Jungen Welt, der Zeit, der Süddeutschen usw.) vorliegender Artikel eines Münchner Journalisten blieb unbeachtet. Der Bürgermeister hatte abgesagt (es wird z.Zt. in München vehement gegen Obdachlose vorgegangen).

So viele Schwierigkeiten - und doch! Als wir ankamen gleich die frohe Nachricht: die Freiheizhalle verzichtet auf die Saalmiete! Und ein tolles Freiheiz-Team, das die sämtlichen Trinkgelder spendet. Die Münchner Abendzeitung hatte einen Artikel gebracht, Stoppok und Götz Widmann und Bernd Chudalla als tolle Kollegen auf der Bühne und ca. 250 Zuschauer, die für den absoluten Spendenrekord sorgen: 2.083,30 Euro in den Stiefeln! Ach, war ich glücklich an diesem 22. Februar in München!

Habt vielen Dank, liebe Kabarettisten und Musiker für eure Hilfe! Dank auch an alle engagierten Einrichtungen, an die Journalisten und Reporter, die dieses Projekt wichtig genug fanden, um darüber zu berichten, an die Politiker, die uns ernst nahmen und Verantwortungsgefühl zeigten, an die Veranstalter, die uns vertrauten und ein riesiges Engagement zeigten, an die Wohnungslosen, die trotz ihrer Lebensumstände unsere Konzerte besuchten - Dank auch an mein wunderbares Team: Conny & Sascha (Organisation), Ali (Technik), Enno & Dominik (Klavier), Torsten (Lauf & Logistik) - den größten Dank aber an euch - unser tolles Publikum! Eure Unterstützung und euer Da-sein hat das ganze Projekt getragen.

Im Laufe dieser Woche schreibe ich einen Abschlußbericht, versuche eine Spenden & Unkosten-Übersicht aufzustellen und ich erzähle, was mit den Geldern wann und wie geschehen soll und welches persönliches Fazit ich aus allem ziehe.

Das Spendenkonto bleibt noch bis Anfang April offen.

Es grüßt euch, wieder aus Kiel,
euer Heinz

Reutlingen - 21.02.2008 - Cafe Nepomuk

Dienstag, den 26. Februar 2008

Liebe Freunde,

der Weg nach Reutlingen war ja nicht weit. Ein langes Frühstück mit Wortfront, dann noch Kaffeetrinken mit dem Sudhausteam. Es warteten neun Personen, die mitlaufen wollten, ein Kind darunter; das Wetter war angenehm frisch, halbsonnig mit einem unternehmungslustigen Wind. Drei Stunden benötigten wir, kamen etwas zu früh an und wurden herzlich empfangen.

Ich hatte die Gelgenheit, die letzten Tagebuchberichte ins Internet zu tippen, dann war schon Soundcheck-Zeit. Ums vorweg zu nehmen: das Tübinger Ergebnis wurde sogar nochmal knapp übertroffen - ca. 160 Zuschauer spendeten 1.283.- Euro. Es waren aus Berlin Barbara Thalheim und ihr Akkordeonist Jean gekommen und auch der Liedermacher Thomas Felder lieh uns seine Stimme. Die Arbeiterwohlfahrt war zahlreich vertreten, auch viele Betroffene kamen - es gab eine leckere Suppenküche draußen, die Stadt hatte schon fühzeitig ihre Unterstützung zugesagt.

Ein rundum gelungener vorletzter Tourabend!

Tübingen - 20.02.2008 - Sudhaus

Donnerstag, den 21. Februar 2008

Liebe Freunde,

auch heute würden wir eine weite Strecke bewältigen müssen. Über 40 Kilometer zum Sudhaus in Tübingen. Treffen diesmal nicht vorm Café Merlin, sondern in der Tagesstätte in der Olgastraße 46 - gemeinsames Frühstück mit Wohnungslosen. Ich erkläre ihnen ein wenig das Projekt und wie es gestern war, spreche mit den Mitarbeitern, wir bekommen ein schönes Frühstück und brechen dann um 7 Uhr 30 auf. Mein Magen ist etwas erholt, fühle mich weitaus besser als gestern, aber nach wenigen Kilometern setzt das fast vergessene Gefühl wieder ein: im Regen zu laufen.

Es ist ein hartnäckiger Regen ohne Pause, der uns den langen Weg begleitet. Unterwegs stellen wir fest, daß das Sudhaus leider am anderen Stadtende liegt - also weitere 7 Kilometer mehr und müssen das Tempo anziehen. Vanessa, die uns diesmal begleitete, steigt nach 20 Kilometern aus - vielen Dank fürs Durchhalten und durch die Stadt führen! Als wir endlich Tübingen erreichen, müssen wir das allerletzte Stückchen auf den Fußweg verzichten - die Schnellstraße gibt Fußgängern keine Chance und die einzig mögliche Alternative beträgt zusätzliche 2 Stunden Umweg. Michael vom Sudhaus holt uns ab. Aber wir haben kein schlechtes Gefühl dabei - der lange Weg aus Stuttgart nach Tübingen ist bewältigt.

Auch das Sudhaus hat sich phantastisch reingekniet. Ein bißchen enttäuscht, daß auch hier die Unterstützung des Bürgermeisters ausblieb (Absage 12.2.08 auf unser Anschreiben vom 3.12.2008) - aber dafür Titel im Programmheft, ein ausführlicher Zeitungsbericht - Wortfront aus Berlin zu Gast und Bernd Chudalla aus Deizisau mit über 100 Zuschauer, die 1.127, 44 spenden! Wow! Toller Abend!

Stuttgart - 19.02.2008 - Kulturzentrum Merlin

Donnerstag, den 21. Februar 2008

Liebe Freunde,

eine Strecke von über 50 Kilometern! Start um 7 Uhr 30 bei -7 Grad. Müde und erneut mit Magenproblemen, die mir als ständiges Schwächegefühl in den Gliedern sitzen. Und schön immer bergauf und schön immer im Kreis, denn die Wegweiser um Pforzheim herum scheinen absichtlich so kontrusiert, daß man diese Stadt nie wieder verlassen kann. Wir schaffen es trotzdem, durch wunderschöne Waldwege, aber wir laufen einen Umweg von 8 Kilometern und verlieren zwei Stunden. Da ist denn allen klar: wir werden es nicht rechtzeitig schaffen.

Trotzdem geht es unermüdlich über Schwarzwaldgipfel und Feldwege und manchmal wieder ohne Wege über Kartoffelacker, bis wir nach 11 Stunden Leonberg erreichen und dann, zum ersten Mal in dieser Tour, aus Zeitgründen doch Nahverkehrsmittel benutzen müssen. In Stuttgart hat Roland Baisch, unser Gast für diesen Abend, die Shellack Brothers mit eingeladen und den Komiker Otto Kuhnle - es wird ein bunter schöner Abend, ich kann trotz meiner Magengeschichte und der Müdigkeit noch die letzten Energien mobilisieren, 90 Zuschauer füllen das Café Merlin und wir sammeln 749, 56 Euro. Ein schönes Ergebnis auch hier, wenngleich die Stadt & der Bürgermeister uns trotz einer gerade hier sehr hohen Zahl an wohnungslosen Menschen nicht unterstützten.

Pforzheim - 18.02.2008 - Kupferdächle

Donnerstag, den 21. Februar 2008

die knappen 30 Kilometer nach Pforzheim hatte ich vor mehr als zehn Jahren schon ein paar Mal auf Schusters Rappen zurückgelegt. Wir wurden begleitet von fünf weiteren Mitlaufenden, es war zunächst recht kalt, aber dann zeigte die Sonne ihr freundliches Gesicht und die permantente leichte Steigung sorgte zudem für angenehme Körperwärme.

Für mich war es ein Gang durch viele schöne Erinnerungen. Ich war aber skeptisch was die Zuschauerzahlen anging. Die Stadt hatte gar nicht erst geantwortet, die Zeitungen hatten es angekündigt, aber nur klein. Das Kupferdächle-Team hatte viel versucht, aber war auch auf viele taube Ohren gestoßen. Eine der reichsten Städte Deutschlands, bekannt für das eisenharte Vorgehen gegen Harz-4 Empfänger. Angeblich ohne Obdachlose. Die Improkokken hatten ihre Unterstützung zugesagt, eine Imrovisationstheatergruppe aus Hannover. Die Stadtwerke Pforzheim hatten einen Unkostenzuschuß zugesagt. Es kamen etwa 50 Zuschauer und wir konnten 400, 22 Euro sammeln.

Stuttgart wir kommen!

Karlsruhe - 17.02.2008 - JUBEZ

Donnerstag, den 21. Februar 2008

Liebe Freunde,

um 10 Uhr erreichte ich den Bruchsaler Bahnhof und traf dort Rainer und Torsten. Außerdem waren Lisa und Rebecca gekommen, um mit uns mitzulaufen. Bahnschienenkombination und Zufall führten dazu, daß wir uns verloren, so daß ich in Damenbegleitung laufen durfte und Torsten und Rainer unabhängig von uns (und mit der Landkarte) liefen.  Es war eine Etappe mit vielen Umwegen und Schleifen, Bachüberquerungen und Sprüngen, aber die 28 Kilometer waren dann auch geschafft und wir kamen rechtzeitig in Karlsruhe an.

Die Stadt fühlte sich gut an. Der Veranstalter, Manne Goos, hatte sich mit einem Rieseneifer in das Projekt hineingekniet. Wir waren auf dem Titelblatt des Programmhefts, die Einrichtung “Erfrierungsschutz” kam, viele Betroffene erschienen, der Bürgermeister Denecken hatte die Schirmherrschaft über das Projekt übernommen und hielt eine schöne knappe Rede. Es kamen mehr als 200 Zuschauer, um uns zu unterstützen. Christina Lux war aus Kassel, Tina Häusermann aus Stuttgart angereist, um für uns zu singen und zu musizieren - ein rundum gelungener Abend brachte die Rekordspendensumme von 1.530,46. Toll! So kann es laufen, wenn alle zusammenhalten. Ein Riesendank!

Heidelberg - 16.02.2008 - DAI

Donnerstag, den 21. Februar 2008

Liebe Freunde,

nach Heidelberg sind wir schon am Vortag gelaufen, am Freitag, den 15.02, weil spielfrei und schönes Wetter. Bis Weinheim liefen wir zu fünft - neben Torsten und Rainer als Langzeitbegleiter gesellte sich nun auch Johannes und jemand dessen mir gerade nicht einfallen will (Sorry!) dazu. Ich “brach” dann aus, beschleunigte, um in Weinheim die vielen ausstehenden Berichte einzutippen und einiges Organisatorisches zu erledigen - und das dauerte so lange, daß die anderen mich längst überholt hatten, als ich den zweiten Teil der Strecke in Angriff nahm. Ich erreichte gegen 19 Uhr Heidelberg, nach fast 40 Kilometern und merkte schon, daß sich da wieder Schwierigkeiten anbahnten.

In der Nacht nahm dann auch eine Magen-Darm-Infektion ihren Lauf, so daß ich sehr geschwächt zum Deutsch-Amerikanischen Institut lief. Vorgestern hatte uns eine schöne Nachricht erreicht - der Bürgermeister Dr. Eckart Würzner wird die Veranstaltung unterstützen. Vielen Dank! Trotzdem blieb die Veranstaltung ein Sorgenkind: kaum Werbung, eine ungünstige Spielzeit - 14 Uhr, weil die anderen Veranstaltungsorte entweder zu viel Miete verlangt oder den Termin schon belegt hatten.

Und es sah zu Beginn tatsächlich danach aus, als ob wir nur sechs Zuschauer hätten - plötzlich füllte sich aber der Saal. Immerhin 50 kamen zusammen. Wenig Stammpublikum. Die meisten kannten uns gar nicht. Der Freiburger Kabarettist Jess Jochimsen begleitete uns wunderbar, auch ich kippte nicht um, und die Zuschauer spendeten 452,42 Euro.

Aufgrund meiner Erkrankung werde ich aber nur einen Teil der Strecke Heidelberg-Karlsruhe laufen können, nämlich den morgigen, zweiten, ab Bruchsal. Treffen morgen 10 Uhr am Bahnhof Bruchsal. Und gehe jetzt ins Bett, in der Hoffnung, mich ein bißchen auskurieren zu können. Gute Nacht!

ZDF-Nachtstudio
“Wir da oben, ihr da unten - Der Verlust der Mitte”

Samstag, den 16. Februar 2008

Das ZDF-Nachtstudio wird am Montag, dem 18.02. noch einmal auf Phönix wiederholt. Hier der Sendetermin!

Wer die Sendung online anschauen will, kann das hier tun:

www.zdf.de

ZDF Nachtstudio

Der Lauf in der Presse

Samstag, den 16. Februar 2008

Conny war so lieb und hat euch ein paar Links zu Nachberichten rausgesucht:

Matthias Maruhn, NRZ 27.01.08:
Heinz und der Lauf gegen die Kälte

Uwe Brühning, WAZ Oberhausen, 30.01.08:
Heinz läuft und singt gegen die Kälte

Michael Nicolas, NRZ Oberhausen, 31.01.08
Der Beginn einer Veränderung

Karsten Packeiser, EPD,12.02.08
Hand reichen ist wichtiger als Geld geben

Isabelle Schek, Main-Rheiner, 12.02.2008
Obdachlose unterstützt

Jenny Geyer, Darmstädter Echo,14.02.08:
Sozialkritik in den Füßen

Beate Schwenk, Allgemeine Zeitung (Ingelheim), 11.02.2008
Mit Musik Obdachlose unterstützen

Lorsch - 14.02.2008 - Theater Sapperlot

Samstag, den 16. Februar 2008

Liebe Freunde,

nur zehn Tage Zeit hatte die Crew vom Theater Sapperlot in Lorsch, die eingesprungen war, weil wir in Mannheim keinen Spielort gefunden hatten. Und was sie leistete ist beispielhaft! Wir machten den relativ kurzen Weg aus Worms (19 km) in dreiundhalb Stunden, begleitet von Klaus und noch einmal von Ann-Marie und Fae (jetzt weiß ich auch, wie man die Hundedame schreibt!) - und wurden auf dem Marktplatz aufs herzlichste empfangen.

Hans Peter vom “Sapperlot” war da. Der Modeladen “Fashion & mehr” wartete mit Suppe und Kaffee, die Diakonie & Streetworker kamen, um uns zu begrüßen, es waren Betroffene da, die uns toll empfingen und der Bürgermeister Herr Jäger, der uns einen Scheck über 100.- Euro überreichte und veranlaßt hatte, daß die Sparkasseweitere 300.- Euro an die Diakonie spendete. Dazu die lokale Presse. Außerdem ein paar Stadträte und etliche Passanten. Was für einen Empfang!

Das Theater entpuppte sich als ein herrliches Kulturjuwel, es kamen 80 Zuschauer und spendeten 1.069,38 Euro - wohlgemerkt in der mit Abstand kleinsten Stadt unseres Laufes! Und der Gasthof Schillereck sponsterte mir ein großes, ruhiges Zimmer und auch für die Crew hatten man Schlafplätze bei Privatleuten besorgt.

Ich möchte Lorsch gerne als Beispiel dafür nehmen, wie es laufen kann, wenn engagierte Leute vor Ort sind. Ein Aufruf des Bürgermeisters, Medien, die im Vorfeld etwas ausführlicher berichten, ein engagiertes Club-Team vor Ort - und der Saal ist voll. Die Stiefel auch. Die Lorscher haben eindrucksvoll gezeigt, dass es sich für die Städte und die Wohnungslosenhilfe rechnet, auf unser Angebot einzugehen - und dass Bürgermeister sehr wohl etwas tun können, ob ihre Kassen nun voll oder leer sind. So hatte ich mir den Lauf gegen die Kälte vorgestellt. Danke Lorsch! Auf nach Heidelberg!